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© Agentur des Rauhen Hauses Hamburg

Als im Jahr 587 v. Chr. die Stadt Jerusalem und Gottes Wohnstatt, der Tempel, zerstört werden, richtet sich der Prophet Ezechiel mit Gottes Worten an die Israeliten in babylonischer Gefangenschaft:
„Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“

Mögen diese Worte nicht wie blanker Hohn in den Ohren der exilierten Israeliten geklungen haben, wo doch Gottes Heiligtum, der Tempel des Glaubens, zerstört war und er selbst ferner denn je schien?
Die Herzen des Volkes Israel hingen doch an diesem steinernen Heiligtum Gottes in Jerusalem. Woran sollte nun ihr Herz hängen?
Ezechiel versteht die Worte Gottes als Heilsbotschaft und Verheißung und bricht mit der Vorstellung, dass Gott an sein Heiligtum gebunden sei.
„Gott ist überall; baut die Mauern eurer versteinerten Herzen ab und schafft darin Platz für Gottes allgegenwärtige Liebe.
Seid beseelt von dem neuen Geist innerer Erneuerung, der euch eine nie gekannte Freiheit schenkt“, will der Prophet sagen.

„Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch“ – diese Worte mögen vielleicht auch bei der Entstehung der sogenannten Lutherrose mitgedacht worden sein, die Martin Luther als Wappen nutzte und die seine reformatorische Theologie brennglasartig bündelt.
Das Kreuz im roten Herzen will den Betrachter ermutigen: „Verankere den Glauben an den Gekreuzigten fest in deinem Herzen.“ In der weißen Rose, die das Herz umfasst, äußert sich der Wunsch: „Möge dir der Glaube Freude, Trost und Frieden spenden.“ Sie steht auf blau-grünem Grund, weil die Freude am Glauben die zukünftige Freude im Himmel schon auf Erden spürbar werden lässt. Der alles umfassende goldene Ring verweist auf die ewig währende Seligkeit im Himmel.
Diese Art zu glauben war für Luther ein Befreiungsschlag und mündete in der Erkenntnis: „Woran dein Herz hängt, ist dein Gott.“

Woran aber hängt unser Herz heute?
Für viele ist Gott heute so fern wie für die Israeliten in Babylon.
So mancher lebt in einer Art von innerem Exil, gefangen in Orientierungslosigkeit, Werteverlust und von Ängsten getrieben, fremdbestimmt durch Äußerlichkeiten.

Ein neues Herz und ein neuer Geist tun wahrlich not.
Auch 500 Jahre nach der Reformation bedeutet sie noch immer Freiheit, Befreiung, innere Erneuerung. So wie wir leben und ob wir mit ihm leben – nur das hat Bedeutung vor Gott. Hängen wir also unser Herz an ihn!
Gott schenkt uns gnadenvoll ein neues Herz und einen neuen Geist.