Gruß zum Herbstanfang

6.September2020

Liebe Gemeinde,

die Kürbisse zeigen es an. Wir gehen in den Herbst, feiern das Erntedankfest - das Fest aller Sinne und tiefer Dankbarkeit.
Die Kürbisse haben ein Preisschild. Doch im Grunde sind sie unbezahlbar, wie alle Früchte unseres Lebens, ob hart errungen oder uns in den Schoß gefallen.
Die prächtigen, leuchtenden Kürbisse stehen für den vertrauten Wechsel der Jahreszeiten. Alle Jahre wieder.
Und doch hat etwas unser Leben verändert.

Noch immer greift die Vorsicht vor diesem unsichtbaren Virus in unser Leben ein. Es verlangt uns Geduld ab und Verzicht. Für viele sind das zwei große Herausforderungen, gar Zumutungen.
Es ist schwer zu verzichten … auf Feste und Reisen ... Wir werden ungeduldig und wütend, wenn unsere Freiheit beschnitten wird …

Der derzeit nötige Abstand verhindert die Nähe, die wir brauchen. Wir merken erst jetzt, wie schön das ist, die Hand zum Gruß zu reichen oder zum Trost. „So nimm denn meine Hände und führe mich ...“ singen wir, und vermissen diese liebevolle Geste in der Trauerfeier. Wie fremd, wenn wir das Gesicht des anderen hinter der Maske nicht sehen. Umso aufmerksamer lesen wir in den Augen des oder der Anderen.

Vieles ist im Gemeindeleben wieder möglich. Wir feiern Gottesdienste, fast wie früher. Was Anlass zur Sorge ist, unsere viel zu große Kirchen und die wenigen Gottesdienstbesucher, das erweist sich jetzt von Vorteil.
Zur Routine geworden ist das Ankommen und Hinausgehen beim Gottesdienst mit Mund-Nasen-Schutz. Und auch das Aufschreiben der Namen und Telefonnummern. Und das Abstandhalten.
Nur das Händereichen und Umarmen fehlt!

Was schön ist, dass wir seit Wochen das letzte Lied draußen vor dem Kirchenportal singen.
Und vorsichtig beginnen wir wieder im Gottesdienst zu singen, 2-3 Lieder, mit 2-3 Strophen. Immer dabei im Blick, wie sich das Infektionsgeschehen in unserem Landkreis und in den Nachbarkreisen entwickelt.
Auch die Kleinen Orgelmusiken wurden gut angenommen, mehr noch, als schon in den vergangenen Jahren. Und viele gehen danach gestärkt und mit Dankesworten nach Hause.

Die geplanten Konzerte wollen wir mit den Hygieneregeln und mit begrenzter Teilnehmerzahl durchführen.
Das musikalische Leben in unserer Gemeinde erhebt wieder leise seine Stimme in den beginnenden Chorproben.

Sitzung des Gemeindekirchenrates mit Abstand

Noch feiern wir kein gemeinsames Abendmahl im Gottesdienst, aber die Taufen, die verschoben werden mussten.
Die Gemeindekreise pausieren noch.
Unser geplantes Gemeindefest holen wir im nächsten Jahr nach.
Der Gemeindekirchenrat kommt zur monatlichen Sitzung zusammen.

Die Christenlehre hat begonnen und die Junge Gemeinde trifft sich.
Die Konfirmanden sprechen im Blick auf die Schule von vielen Einschränkungen, und:
„Ich muss nicht mehr vorsingen! Aber dafür müssen wir Vorträge halten.“ Und: „Schön waren die langen Ferien.“

Ob bald ein Impfstoff gefunden wird?
Sicher! Die Aufregung dieser Tage wird irgendwann vorbei sein.
Haben wir etwas gelernt?

„Herr, lehre uns unsere Tage zu zählen, dass wir ein weises Herz gewinnen.“ heißt es in Psalm 90.
Ein weises Herz gewinnen, das wäre ein Sieg, ein Fortschritt, der uns Zukunft gibt: Weise werden, bedenken, dass unsere Tage auf Erden gezählt sind und das Leben kostbar.

Was uns diese verrückte Zeit lehrt:

  • sich nicht anstecken lassen, weder vom Virus noch von der Angst vor unserer Endlichkeit, sondern von der Liebe!
  • sich die Hoffnung bewahren und die Freude an dem, was uns zufällt, Tag um Tag, dankbar leben für alle guten Gaben …
  • am Gottvertrauen festhalten und sich aufrichten daran, in der Hand des Ewigen unendliches Leben zu haben.

Eine gesegnete Zeit und Bewahrung wünscht Pfarrer Manfred Schwarz

6. September 2020
Manfred Schwarz
589 Wörter
5 Bilder

Das könnte Sie auch interessieren:

Autor des Artikels

Manfred Schwarz

Pfarrer

03573 / 790540
Bitte aktivieren Sie JavaScript, um dynamische Inhalte zu aktivieren.
Kirchplatz 14
01968 Senftenberg